Kulinarische Abende mit Ehrengästen

Samstag, 19. März 2016 - 18.00 Uhr

Helge und Irmgard Adolphsen

Helge und Irmgard Adolphsen mit Max-Fabian Wolff-Jürgens

"Toleranz nach Matthias Claudius – und heute?"

Helge Adolphsen war von 1987 bis 2005 Hauptpastor der Hamburger Michaeliskirche. 2015 nahm er an der APROTO-Initiative "Stimmen des Nordens" gegen Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus teil. Mit seiner Frau Irmgard war Helge Adolphsen zu Gast im APROTO Aktionshaus.

Das Eintreten des Wandsbeker Boten für Freiheitsrechte und ein tolerantes Miteinander vor dem Hintergrund der heutigen Zuwanderung

Hörpel / Bispingen: Einen aktuelleren Bezug hätte der Vortrag des langjährigen Hauptpastors des Hamburger Michels, Helge Adolphsen, nicht haben können, obgleich er sich mit dem vor 200 Jahren verstorbenen Dichter und Journalisten Matthias Claudius beschäftigte, nach dem unzählige Straßen, Schulen und Einrichtungen benannt sind, und der jedem bekannt ist durch sein Abendlied „Der Mond ist aufgegangen“.

Im APROTO Aktionshaus in Hörpel / Bispingen sprach Adolphsen - vor dem Hintergrund von zunehmendem Rechtspopulismus und einer drohenden Spaltung der Gesellschaft - über Matthias Claudius und sein Toleranz-Verständnis, das noch heute auch im Zusammenhang mit der Zuwanderungsdiskussion vorbildlich sei.

Eingeladen in die Lüneburger Heide hatte der 21jährige Schauspielstudent Max-Fabian Wolff-Jürgens, der im Herbst des vergangenen Jahres die große norddeutsche Initiative „Stimmen des Nordens“ ins Leben gerufen hatte, bei der schließlich – unter großer Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit – über 100 Persönlichkeiten aus Kultur, Politik und Gesellschaft mit Videobotschaften Position bezogen hatten gegen Fremdenhass und geistige Brandstiftung. Helge Adolphsen war einer der ersten, der Wolff-Jürgens, Vorstandsmitglied des gemeinnützigen Vereins APROTO – Aktionen und Projekte pro Toleranz - seinerzeit gemeinsam mit NDR-Moderator Carlo von Tiedemann unterstützte.

Beeindruckend porträtierte Adolphsen zunächst Matthias Claudius als „hochgebildeten Menschen, der neun Sprachen beherrschte, die Freiheit liebte und vollständig unabhängig sein wollte. Vor allem war er ein Querdenker und unermüdlicher Verfechter des Toleranz-Gedankens.“ Mit seinen Texten für den „Wandsbecker Bothen“ wurde er deutschlandweit bekannt für sein sozialkritisches Denken und insbesondere sein unermüdliches Engagament für Religionsfreiheit. „Eine absolute Wahrheit zu haben und zu vertreten, sei keiner Religion, keiner Kirche und keinem Menschen gegeben. Niemand habe Verfügungsgewalt über diese Wahrheit. Der eigene Glauben dürfe nie gegen andere Religionen, Kirchen und Menschen ins Felde geführt werden“, zitierte Adolphsen den Dichter und plädierte dafür, auch den Islam in Deutschland zu tolerieren und zu integrieren und ihn nicht für Hass-Kampagnen im Zusammenhang mit Flüchtlingsdebatten zu instrumentalisieren.

Ausdrücklich bezog Adolphsen in seinem Vortag – sicher auch im Sinne von Claudius, wie er sagte – Position zur aktuellen Zuwanderung: „Massenunterkünfte und die Ghettoisierung der Flüchtlinge sind Sprengstoff für die Zukunft“. Damit stärkte er auch die Bürgerinitiative „Nein zur Politik – ja zur Hilfe“, die es geschafft hat, dass die geplante Flüchtlingsunterkunft im Hamburger Stadtteil Neugraben-Fischbek, die ursprünglich für 3.500 Menschen geplant war, mittlerweile verkleinert und nicht mehr als 1.500 Flüchtlingen Schutz bieten soll. In diesem Zusammenhang berichete Wolff-Jürgens von den beispielhaften Integrationsbemühungen der Gemeinde Bispingen, in der rund 90 Geflüchtete in privatem Wohnraum leben und durch Bürgerinnen und Bürger aktiv in der gesellschaftlichen Teilhabe unterstützt werden: „Jeder einzelne muss uns unabhängig von politischen Lösungen wichtig sein.“ Und Adolphsen bestäigte das mit seinen Worten: „Wenn die Fremden nach überstandenen Strapazen, nach Todesgefahr und traumatisiert uns vor die Füße gelegt werden, dann haben wir die barmherzigen Samariter zu sein. Toleranz umfasst Nächsten-, Fremden- und Feindesliebe. So schön ist unsere christlich geprägte Tradition.“

Adolphsens Vortrag wurde ergänzt und bereichert durch Claudius-Texte, die seine Frau Irmgard vortrug. Als ehemalige Lehrerin saß sie dabei an einem alten Schulpult, das fast aus der Zeit des Dichters stammen könnte. Einen besonderen Abschluss fand der Abend, als alle Gäste gemeinsam im APROTO Aktionshaus „Der Mond ist aufgegangen“ sangen, wobei der frühere Hauptpastor auf Nachfrage energisch lachend darauf bestand: „Wir singen alle neun Strophen – keine wird ausgelassen“.

Impressionen des Abends

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APROTO - Aktionen und Projekte pro Toleranz